LED-Filament-Lampen: Wohl oder übel?

 

Die relativ neuen LED-Filamentlampen sind vom Retrofitgrad her eine geniale Erfindung, sie sehen wirklich prima aus.
Technisch können sie ebenfalls gut sein, hinsichtlich des Lichtflimmerns leider aber auch so mies, dass sie eher als Stroboskope ihren Einsatz finden könnten statt der Beleuchtung zu dienen. Hier die Abkürzung zu meinen Testergebnissen und der Möglichkeit das Flimmern vermessen zu lassen.
Wie ich schon in meinem Beitrag "Den Flimmerkisten auf den Zahn gefühlt" beschreibe, gibt es aber auf der Verpackung von Leuchtmitteln keine Angaben über den Flimmergrad.
Die Vorschalt-Elektronik ist massiv verantwortlich dafür, wie gut die Lampen hinsichtlich des Flimmergrads sind. Ist sie nur unzureichend vorhanden, dann flimmern die Leuchtmittel wie Glimmlampen. 

 

Entsprechend habe ich mittlerweile über 350 unterschiedliche LED-Filament-Lampen durchgemessen und bin zu einem größtenteils erschreckenden Ergebnis gekommen: Schlimmer geht's nimmer, noch nie seit der Erfindung der Glühlampe hat es hinsichtlich des Flimmerns teilweise so schlechte Qualität gegeben.

Bei den E27-Produkten reicht die Spanne zwischen flimmerfrei bis zu stroboskopartigen knapp 60%.

Bei den E14-Produkten konnte ich alles zwischen flimmerfrei über schlechte 50% und übelsten knapp 100% feststellen. "Dimmbare" flimmern oft extrem, denn sie emittieren teilweise nur noch Lichtimpulse. Hierbei sind statistisch betrachtet vorwiegend die 2W - ca. 200 Lumen - Leuchtmittel betroffen, besonders die, die in Bau- oder anderen Märkten auf den Wühltischen liegen.

 

Hier das gute Beispiel des Lichtemissionsverlaufs einer praktisch flimmerfreien LED-Filament-Lampe als echte Retrofit-Kerze im E14-Sockel. Es ist also technisch machbar. Dieses Licht ist vom Emissionsverlauf her deutlich besser als das einer Glühlampe, es kommt dem Tageslicht gleich.

Der Lichtemissionsverlauf dieser Filamentlampe, die direkt an Netzspannung betrieben wird, weist einen massiven Stroboskopeffekt auf, das Tastverhältnis zwischen Hell und dunkel liegt knapp unter 50%. Dieses Licht ist nach DIN EN 12464-1 zu vermeiden; es wird zum Arbeiten als gefährlich eingestuft, weil zyklische Bewegungsabläufe nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. 59 von 111 verschiedenen vermessenen E14-Filament-Leuchtmitteln weisen ein ähnliches Bild auf.

Schlimmer geht's nimmer. Wird die mittlere Helligkeit der oben noch direkt an Netzspannung betriebenden als dimmbar gekennzeichneten LED-Filament-Lampe mittels Dimmer (der korrekt mit seiner Mindestlast betieben wird) auf 25% gesenkt, dann wird das Licht nur noch in Form von Nadelimpulsen emittiert. Der Stroboskopeffekt ist noch deutlich stärker, das Tastverhält zwischen Hell und dunkel liegt hier bei ca. 12%. Das ist kein Licht mehr, ...

... denn eine durch dieses Licht bewegte Hand zeigt die Wirkungsweise (Einzelbildfotografie mit einer Belichtungsdauer von etwa 200 ms). In einer Diskothek mag dieses Licht als Spezialeffekt wünscheswert sein, aber sicherlich nicht als gemütliche Beleuchtung in der guten Wohnstube. Wer sich in einem von diesem Licht erfüllten Raum bewegt, kann auch das das Gleichgewicht verlieren.

 

Dieses Flimmerverhalten lässt sich so erklären: Elektrisch werden bei den LED-Filamenten ca. 50 COB-Leds in Reihe geschaltet. Damit durch diese überhaupt ein Strom fließen kann, ist eine Mindestspannung von 170V erforderlich. Diese Spannung wird aber nur im oberen Teil der Sinus-Wechselspannung von 230V/50Hz erreicht, was zeitlich knapp 5ms ausmacht. Im anderen Zeitraum (gut 5ms) bleibt die LED dunkel. Nur wenn ein Gleichrichter und ein ausreichend großer Kondensator im Sockel verbaut werden, kann die Spannung auf min. 180V gehalten und damit stets Strom fließen und dauerhaftes Licht erzielt werden. Daran wird bei den China-Billig-Produkten gespart. Zugegeben: Im E14-Sockel ist nicht viel Platz für ausreichend billige Elektronik, aber das soll kein Grund für mieses Licht sein. Also wird fast ganz drauf verzichtet.


Tatsächlich habe ich den Test mit einem Plattenspieler durchgeführt, der zum justieren der Drehzahl eine Stroboskop-Lampe verwendet und das ganze gefilmt; das Ergebnis ist erwartungsgemäß: Die E14er sind das reinste Stroboskop, der ganze Plattenteller scheint zu stehen, das flimmernde Filament-Leuchtmittel erfüllt den gleichen Zweck wie die Stroboskoplampe.

 

Noch nie seit den LED-Schläuchen hat es so sehr flimmerndes Licht gegeben. Den Lichschläuchen gegenüber haben die Leuchtmittel aber den Anspruch ein Objekt oder einen Raum zu beleuchten statt nur sich selbst (Dekoration). So viel Flimmerei kann wirklich gesundheitschädigend sein.

 

Stroboskoplicht ist nach DIN EN 12464-1 an Arbeitsplätzen zu vermeiden, das kann auch sonst nicht gut sein.
Leuchtmittel, die dieser Norm nicht genügen, müssten eigentlich heute schon eine Einschränkung der Verwendbarkeit aufweisen: "Zum Arbeiten nicht geeignet", hier sehe ich eine Lücke in der EU-Kennzeichnungsverordnung.


Also aufgepasst bei LED-Filament-Lampen!

 

Man kann sich hier mit den Schnelltests selbst einen Erste-Hilfe-Überblick darüber verschaffen, ob das Leuchtmittel zu stark flimmert.

 

Seinerzeit gab es für LED-Lampen auch keine Angabe über Farbtemperatur in Kelvin oder den Farbwiedergabeindex in Ra. Wenn einer der Werte heute fehlt, dann kaufe ich nicht (und wohl auch sonst kaum jemand).

Das soll für das Lichtflimmern auch so werden,  jeder Hersteller sollte ihn in den technischen Daten angeben. Ist der Flimmergrad neidrig, dann ist das ein gutes Verkaufsargument. Fehlt er dagegen, dann kann das als minderwertige Qualität ausgelegt werden.

Man sollte sich vom Händler den Flimmergrad angeben lassen oder wenn der das nicht kann: nicht kaufen.

Alternative: Doch kaufen, von mir vermessen lassen und ggf. zurück geben.

 

 

Mehr zum Thema Flimmern gibt's auf Wikipedia und in diesem Flimmer-Blog von Wolfgang Messer.